Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.
Hl. Augustinus (+430)

Orden der Augustiner-Chorherren

Die Augustiner-Chorherren sind eine Ordensgemeinschaft, die nach der Regel des hl. Augustinus lebt, und im Unterschied zum Mönchtum ihren Ursprung im Klerikerstand* hat.

* Ein Kleriker, ist jemand, der dem sogenannten Klerus angehört. Der Klerus ist ein eigener Stand in der Kirche, neben den Laien und wird von denjenigen gebildet, die besonders dem Dienst Gottes geweiht sind. Das Wort „Klerus” leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet so viel wie „Los, Anteil“. Die Kleriker sind das besondere Eigentum des Herrn, bzw. ist der Herr ihr Anteil, so wie im Alten Testament der (Piester-) Stamm Levi statt eines Landesteiles den Herrn zum Anteil und Erbe erhielt (Num 1,49f;3,6f). Durch ihr Klerikersein haben sie Teil am Priestertum Jesu Christi. Das Kleriker-Sein gehört vom Ursprung her wesentlich zu einem Augustiner-Chorherren. Dies verwirklichen sie im Gemeinschaftsleben, im Dienst am Volk Gottes und in ihrer Christusnachfolge, zu der sie besonders gehalten sind.

Das Mönchtum dagegen hat seinen Ursprung bei den Einsiedlern, die in der Regel Laien waren. Sie lebten an einsamen Orten, zum Beispiel in der Wüste, um, streng getrennt von der Welt, in der Stille der Einsamkeit, durch ständiges Beten und Büßen ihr Leben dem Lob Gottes und dem Heil der Welt zu weihen. Einige Eremiten schlossen sich jedoch aus praktischen Gründen zusammen und lebten fortan in Klöstern, wobei sie die persönliche Einsamkeit, außer bei der Feier der Liturgie und der Arbeit, bewahrten.

Die deutsche Bezeichnung Augustiner-Chorherr kommt von der Ordensregel des hl. Augustinus und dem feierlichen Chorgebet, das als wichtigste Aufgabe der Chorherren gilt. Im Rest der Weltkirche sind eher Übersetzungen des lateinischen Begriffs Canonicus Regularis Sancti Augustini, zu Deutsch Regularkanoniker des hl. Augustinus oder einfach Regularkanoniker, gebräuchlich.

Ursprung der Chorherren

Der Orden der Augustiner-Chorherren ist der älteste Priesterorden der Kirche. Er entwickelte sich aus Klerikergemeinschaften, die zunächst im 4. Jahrhundert n. Chr. vom hl. Eusebius v. Vercelli und vom hl. Augustinus und später von anderen Bischöfen an ihren Domkirchen gebildet wurden.

Ihre Eigenart bestand darin, dass sie als Neuheit das Ordensleben der Mönche annahmen, die ursprünglich nicht Priester waren und es mit ihrem seelsorglichen und liturgischen Dienst verbanden, um so ihr Wirken fruchtbarer zu machen.

So entstanden im 1. Jahrtausend an vielen Dom- und Kollegiatskirchen Gemeinschaften von sogenannten Kanonikern, die im Laufe der Jahrhunderte an verschiedenen Orten nach unterschiedlichen Regeln und mit unterschiedlicher Strenge lebten.

Im Zuge der Kirchenreform Papst Gregors VII. im 11. Jahrhundert wurde das Kanonikerinstitut geordnet und aufgespalten. Ein Teil nahm die Ordensregel des hl. Augustinus an, lebte also reguliert - die Regularkanoniker, während der andere Teil nach keiner Ordensregel lebte und im Weltklerus aufging - die Säkularkanoniker. Dazu gehören die Domkapitel und die Kollegiatstifte, die aus Weltpriestern bestehen und zusammen für eine bestimmte Kirche zuständig sind, dort die Gebete verrichten und zusammen für die Verwaltung der zugehörigen Güter verantwortlich sind. Diese haben allerdings zusätzlich ihr Privateigentum und leben auch nicht zwangsläufig zusammen an einem Ort, während es sich bei den Regularkanonikern um richtige Ordensleute handelt, die die Gelübde der Armut, der ehelosen Keuschheit und des Gehorsams abgelegt haben.

Während manche Orden an einem zentralen Ort gegründet wurden, sich von dort aus über die Welt ausbreiteten und eine rechtliche Einheit bildeten, sind Augustiner-Chorherren an verschiedenen Orten unabhängig voneinander entstanden und haben sich auch selbstständig entwickelt. Wenn es auch bisweilen gegenseitige Einflüsse geistlicher und organisatorischer Art gab, handelte es sich in der Regel um rechtlich selbstständige Klöster.

Im Laufe des zweiten Jahrtausends bildeten sich verschiedene Kongregationen, entweder indem sich vorher selbstständige Klöster zu einer rechtlichen Einheit mit mehr oder weniger zentraler Leitung zusammenschlossen oder indem Klöster, die von einem bestimmten Ursprungskloster aus gegründet wurden, in geistlicher und rechtlicher Weise verbunden blieben. Die erste davon war im 14. Jahrhundert die Kongregation von Windesheim.

Erst Mitte des 20. Jahrhundert entstand eine Konföderation aus mehreren Kongregationen, womit die Augustiner-Chorherren erstmals als Gesamtorden organisatorisch fassbar sind. Diese wird von einem Abtprimas geleitet, der aber in erster Linie einen Ehrenvorrang hat, während die rechtliche Leitung je nach Kongregation mehr beim jeweiligen Generaloberen oder dem höheren Oberen des jeweiligen Klosters liegt.

Tätigkeiten und Leben der Chorherren

Zu unserem Ideal gehören das gemeinschaftliche Leben, die Seelsorge und vor allem das feierliche Gotteslob. Es umfasst das gemeinsame Chorgebet sowie die Feier der Eucharistie, die den Höhepunkt darstellt.

Aus diesen beiden Quellen schöpfen die Chorherren die Kraft, um ihr Apostolat zu erfüllen. Besonders gilt für uns das Wort unseres Ordensvaters, des hl. Augustinus: „Das erste Ziel eures gemeinschaftlichen Lebens ist, in Eintracht zusammenzuwohnen und ein Herz und eine Seele auf Gott hin zu sein.” Daher sind Herzensgemeinschaft, Gütergemeinschaft und Arbeitsgemeinschaft unabdingbare Elemente des Chorherrenlebens, wobei die tägliche gemeinschaftliche Erholungszeit, die „Rekreation” einen besonderen Stellenwert einnimmt.


Bedeutende Chorherren:

  • Hl. Antonius von Padua – war zuerst Chorherr in Portugal bis er in den Franziskaner-Orden eintrat, †1231
  • Hl. Dominikus – war zuerst Chorherr in Osma (Spanien) bis er den Dominikaner-Orden gründete, †1221
  • Hl. Albert – Patriarch von Jerusalem, gab den Karmeliten ihre Ordensregel, †1214
  • Hl. Altmann – Bischof von Passau, ursprünglich Kanoniker in Goslar, gründete und reformierte wichtige Chorherrenstifte, †1091
  • Sel. Alanus von Solminihac – Bischof von Cahors, leitete seine Diözese pflichtbewusst, streng und ganz nach dem Vorbild des Konzils von Trient und des hl. Karl Borromäus, † 1659
  • Hl. Petrus Fourier – Gründer der Chorherren-Kongregation Unseres Erlösers, Gründer der Chorfrauen-Kongregation Unserer Lieben Frau mit der sel. Alexia le Clerc, †1640
  • Sel. Maurice Tornay – Missionar im Grenzgebiet zwischen China und Tibet, Pfarrer der einzigen katholischen Pfarrei in Tibet, wurde von den Lamas, den buddhistischen Mönchen, in einem Hinterhalt getötet, †1949

  • Bedeutende Windesheimer Chorherren:

  • Thomas von Kempen – Chorherr im Kloster Agnetenberg bei Zwolle, Verfasser der „Nachfolge Christi“, †1471
  • Hl. Johannes von Osterwijk – Märtyrer, kämpfte gegen die Calvinisten für die Wahrheit über die Eucharistie und den Primat des Papstes, †1572
  • Sel. Johannes Ruysbroek – Gründer der Kongregation von Groenendal, Verfasser bedeutender geistlicher Literatur (z. Bsp. „Die Zierde der Geistlichen Hochzeit“, „Das Buch von der hoechsten Wahrheit“), †1381

  • Bedeutende Chorfrauen:

  • Sel. Anna Katharina Emmerick – Windesheimer Chorfrau in Dülmen, oft fälschlicherweise als Augustinerin (also Augustiner-Eremitin) bezeichnet, große Mystikerin, Dulderin (Stigmata) und Visionärin, die „letzte Blüte“ der Devotio Moderna, †1824
  • Hl. Juliana von Lüttich – Überredete Bischof Robert von Liege, das Fronleichnamsfest einzuführen, das Papst Urban IV. auf die ganze Kirche ausweitete, †1258
  • Hl. Alexia Le Clerc – Gründerin der Chorfrauen-Kongregation Unserer Lieben Frau mit dem hl. Petrus Fourier, †1622
  • CANONICI REGULARES S. AUGUSTINI
    CONGREGATIO VINDESEMENSIS
    C.R.V.
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